Carlswerk: Kult(ur)objekt mit Campuscharakter

Früher reines Industrieareal, heute urbaner Gewerbecampus: Das Carlswerk an der Schanzenstraße in Mülheim hat sich zum Anziehungspunkt für Unternehmen entwickelt. Das ehemalige Areal von Felten & Guillaume wurde in den letzten Jahren umstrukturiert und hat sich zu einer eigenen Marke etabliert.

Schon beim Betreten des Geländes versprüht das Carlswerk seinen Charme: Auf 13 Hektar verteilen sich die Gebäude in Backsteinarchitektur mit Rundbogenfriesen und Rundbogenfenstern, alte Fabrikhallen erhalten den Industriecharakter der damaligen Zeit. Das Innere der Häuser besticht mit einem modernen Design und einer stilvollen Einrichtung. "Genau diese Mischung aus Alt und Neu bringt die Unternehmen zum Carlswerk", erklärt Maria Anastassova, Projektmanagerin der BEOS AG. Das Immobilienunternehmen hat 2008 das Gelände des Carlswerks für eine internationale Investorengruppe erworben und mit der Transformation des Areals begonnen.

Kupferhütte heute
Die Kupferhütte heute. Foto: Fred Lezmi/BEOS AG

1873 bezog das Seilerunternehmen Felten & Guillaume das Carlswerk und weitete die Produktpalette auf Stahlseile, Energie- und Fernsprechseekabel sowie Brückenseile aus. So werden beispielsweise die Rodenkirchener und Mülheimer Brücken von Seilen aus dem Carlswerk getragen. Auch international war das Familienunternehmen bekannt und lieferte seine Seile unter anderem für die längste Schwebebahn der Welt nach Schweden aus. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde der Kabelproduzent von dem dänischen Unternehmen "nkt cables GmbH" übernommen und weiter betrieben. 2010 wurde die Produktion komplett aus dem Carlswerk ausgelagert. Bis heute werden im Carlswerk Kabel durch den Voreigentümer "nkt" getestet.

Eine bunte Mischung aus Medien, Gastronomie und Gewerbe

Mit der Ansiedlung unterschiedlicher Unternehmen aus verschiedenen Branchen wurde dem Carlswerk ein neues Flair verliehen. "Wir möchten unseren Mietern eine vielfältige Nutzung ermöglichen", so Anastassova. Das Carlswerk mit seinen charaktervollen Industriegebäuden verfügt über hochwertige Lofts, flexible Büroräume sowie große Hallen-, Service- und Lagerflächen für Gewerbe, Dienstleistung und Produktion. "Mittlerweile haben sich Unternehmen aus der Medien-, IT-, Werbe- oder Architekturbranche angesiedelt", meint die Projektmanagerin. "Das Carlswerk bietet den Unternehmen ein kreatives Umfeld. So hat sich die Verlagsgruppe Bastei Lübbe im Carlswerk niedergelassen. Mit vielfältigen Gastronomieangeboten oder einer Zahnarztpraxis, die öffentlich zugänglich sind, ist auf dem Gelände eine eigene Infrastruktur entstanden.

Kupferhütte damals
Die Kupferhütte früher. Foto: BEOS AG

Auf dem Gelände befinden sich zwei Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen: die Küpferhütte und die Werkstatt. In der 1896 entstandenen Kupferhütte wurde damals Rohkupfer für die eigene Produktion geschmolzen und gewalzt. "2009 haben wir das Gebäude vollumfänglich saniert", berichtet Maria Anastassova. "Die historischen Fassaden wurden unter Berücksichtigung der Denkmalschutzauflagen aufwendig wiederhergestellt und die ehemalige Halle in Maisonette-Einheiten mit separaten Zugängen unterteilt." Dafür ist eine Zwischenebene eingebaut und die Fläche auf 4000 Quadratmeter verdoppelt worden. Die Kupferhütte beherbergt nun moderne Büro-Lofts für vier Unternehmen.

Ein Jahr nach der Kupferhütte hatte Felten & Guillaume eine eigene Werkstatt fertig gestellt. Hier wurden die Maschinen untergebracht. "Heute befinden sich im Inneren schicke Büro-Lofts und eine Zahnarztpraxis", meint die Projektmanagerin. Zudem wurde eine Terrasse angebracht, die einen Überblick auf das ganze Gelände bietet. Der BEOS AG ist es ein großes Anliegen, "so viel wie möglich von den alten Gebäuden zu erhalten." Gusseisenstützen im Inneren der Werkstatt beispielsweise wurden gereinigt und neu lackiert. "Das gibt dem Gebäude einen eigenen Charakter."

Kupferhütte damals
Die Kupferhütte früher. Foto: BEOS AG

Alle Gebäude innerhalb des Geländes haben ihre alte Bezeichnung und Gebäudenummer behalten. "Die 500 Bauten auf dem Carlswerk, die sich früher über das gesamte Schanzenviertel erstreckte, wurden fortlaufend nummeriert, wie sie auch erbaut wurden", stellt Anastassova fest. So trägt das Kupferwerk die Nummer 403 und ist also relativ spät entstanden, und die Kupferhütte die Nummer 54.

Ein großer Beitrag zur Stadtentwicklung

Auch der Kulturbereich hat für das Immobilienunternehmen und das Carlswerk einen hohen Stellenwert. Seit 2013 ist das Depot, eine ehemalige Lagerhalle, das vorrübergehende Zuhause des "Schauspiel Köln". Diese wurde extra für das Ensemble und seine Aufführungen umgebaut. "Zwei Theaterbühnen sind errichtet und Platz für insgesamt 850 Zuschauer geschaffen worden", so die Diplom-Betriebswirtin. Für beide Parteien ist diese Zusammenarbeit ein reiner Erfolg: Alle Aufführungen des Schauspiels waren im letzten Jahr fast immer ausverkauft und brachten viele Besucher auf das Gelände, denen das Carlswerk davor relativ unbekannt war. Zu Beginn der Spielzeit rief das Ensemble die Aktion "CARLsGARTEN" ins Leben. Die Idee: Die kahle Industriefläche in eine blühende Oase zu verwandeln. Zusammen mit freiwilligen Helfern wurden vor der Halle Hochbeete erschaffen und gemeinsam bepflanzt. An der Aktion konnte sich jeder Bürger Kölns beteiligen und darf das eigens Gezüchtete natürlich weiterhin auch pflegen und ernten. Gespendete Sitz- und Liegeflächen laden an warmen Sommerabenden zum gemütlichen Beisammensein ein. Auch dieses Jahr wird das Schauspiel Köln im Carlswerk beheimatet sein.

Umnutzung der Gebäude heute.
Umnutzung der Gebäude heute. Foto: Fred Lezmi/BEOS AG

Für die BEOS AG steckt im Carlswerk noch jede Menge Potenzial und die bisherige Umstrukturierung habe einen hohen Beitrag zur Stadtentwicklung beigetragen. "Wir haben es geschafft, aus dem ehemaligen Industrieareal einen lebendigen und attraktiven Gewerbecampus zu kreieren", sagt Maria Anastassova. Ohne den Erwerb durch das Immobilienunternehmen würde das Gelände womöglich brach liegen. "Hier im Schanzenviertel ist etwas Tolles entstanden. Viele Arbeitsplätze konnten geschaffen werden. Nicht nur auf Mülheim hat das Carlswerk einen positiven Effekt, seine Erfolgsgeschichte strahlt auch auf das gesamte Rechtsrheinische aus." Die Projektmanagerin und ihre Kollegen wünschen sich für die Zukunft weitere, spannende Nutzungen im Carlswerk, die das besondere Flair, das hier herrscht, weitertragen.


AUTORIN: ANNA PETER

Das erste, was Anna gemacht hat, als sie nach Köln gezogen ist, war, auf den Dom zu klettern. Und das ist Grund genug: Er ist und bleibt mitsamt traumhafter Aussicht ihr Lieblingsdenkmal in der neuen Heimat.